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Das Firmenareal Dengler

Der Zeitzeuge Hans Bubser (1932-2012) berichtete über die Geschichte der Firma Dengler. Er hat festgehalten, wie er in seiner Kindheit als unmittelbarer Nachbar zum Firmenareal das Treiben dort und die Entwicklung der Firma erlebt hat. Hier auszugsweise sein Bericht von damals:

1871 gründete Wilhelm Dengler, Schlosser, Sohn des Wilhelm Dengler (1845-1903), Rotgerbermeister, auf seinem väterlichen Gerberei-Gelände eine mechanische Werkstätte. Seine fachlichen Kenntnisse erwarb er in der Sächsischen Maschinenfabrik in Chemnitz. Wilhelm Dengler war ein Erfindertalent, ein "Tüftler". Seine Frau Christiane geb. Nestle aus Rohrdorf war seine Stütze. Wie meine Mutter erzählte, drehte sie an der Drehbank Nächte hindurch Schrauben für den Maschinenbau. Die Ehe blieb kinderlos. Wilhelm Dengler begann Futterschneidmaschinen zu konstruieren, damit aus einem Gemisch aus Heu und Stroh Viehfutter entstand. Bald besaß jeder Landwirt in Ebhausen und der Umgebung eine solche Maschine.

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Patentschrift seiner Futterschneidmaschine

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Futterschneidmaschine-Technische Zeichnung

In der oberen Mühle übertrug er die Wasserkraft mittels einer Transmission in die Scheune bis zur Futterschneidmaschine. Er fertigte Obstpressen und Obstmühlen auf Eisenrädern für den Transport. Für die Herstellung der Steinwalzen für die Obstmühle beschäftigte er einen Steinmetz.

Weil die Elektrizität in Ebhausen erst um 1903 realisiert wurde, legte er um 1873 am Mühlbach einen Stausee an. Das Wasser führte er mit einer Druckleitung bis oberhalb des Hauses Schilling und dann im Sturz bis in seine Werkstatt. Dort wurden mittels Transmissionen Drehbänke, Schleifsteine, in seiner Schreinerei Band- und Kreissäge sowie eine Hobelmaschine für die Gehäuse der Windfegen und Dreschmaschinen aufgestellt.
(Anmerkung: Eine Windfege ist eine Getreideputzmühle)

Er beschäftigte immer einen Schreiner. Seine Hobelmaschine war für die Ebhäuser Schreiner unentbehrlich. Sie standen zum Aushobeln ihrer Bretter Schlange. Er konstruierte bald eine Dreschmaschine für den örtlichen Bedarf und das Flegel-Dreschen erübrigte sich. Auf seinem Firmenareal stellte er acht Obstpressen in verschiedenen Größen für die Bevölkerung auf.

Sein Hobby war die Nähmaschine. Bald war es der Wunsch einer jeden Frau und eines jeden Mädchens im Ort, eine solche zu besitzen. Er führte dann mit Näherinnen in der „Traube“ Nähmaschinenkurse durch.

Auch führte er ein großes Lager mit Wasseralfinger Öfen und Küchenherden. Bis zu dreißig Lehrlinge und Gesellen beschäftigte er. 1903 fand er mit 59 Jahren auf mysteriöse Weise den Tod in der Nagold. Seine zwei Neffen Wilhelm Dengler und Wilhelm Weimer führten den Betrieb weiter.

Die Firma Dengler war ein bedeutender Industriebetrieb

Bis 1960 wurden bei der Firma Dengler Mostpressen, kleine und große Dreschmaschinen, Schleifsteine auf drei Beinen u. a. hergestellt. Ab 1960 hat Wilhelm Karl Dengler dann die Produktion eingestellt und danach den Handel mit Landmaschinen wie Schleppern, Ladewagen, Heuaufzügen, Häckslern und Mähdreschern fortgeführt sowie die Reparaturwerkstatt weiter betrieben.

Der Mühlbach-See

Als Wilhelm Dengler 1873 den Mühlbach staute und eine Staumauer anlegte, waren ringsum Wiesen. Über hundert Jahre lang war der Mühlbach umgeben von Wiesen, Obstbäumen, Haselsträucher und den begehrten Rotnussbäumen. Direkt am See waren Erlensträucher. Die Wiesen wurden auch als Weide genutzt. Die Geschichte von der Kuh, die von der Weide ausgebüxt ist und dann im Schlamm des Mühlbach-Sees ertrank, wurde vielen Kindern als Warnung vor Augen gehalten, den See ja nicht zu betreten. So war der See selbst ein Tabu, Baden oder Schlittschuhlaufen waren offiziell von den Eltern verboten. Es war auch gefährlich, da das Ufer steil und rutschig war. Erst als in den Jahren 1960/70 die Nebenerwerbslandwirtschaft nicht mehr rentabel war, wurden viele Hänge mit Fichten bepflanzt. So wurden im Laufe der Jahre auch der Westhang am Mühlbach-See sowie der Oberlauf und teilweise auch der Unterlauf des Gewässers mit Wald aufgeforstet, während rund um den See heute noch stattliche Erlen stehen.

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Der Mühlbachsee 2018

Der Mühlbach-See ist ein Gewässer II. Ordnung (ergänzt von Hildegard Dengler-Oesterle)

Der Mühlbach-See ist ein Stauweiher, der für Triebwerkszwecke einer Turbine geschaffen wurde. Der Stauweiher wurde als Triebwerk T 119 bezeichnet. Das Wassernutzungsrecht an diesem Triebwerk wurde im Wasserbuch Abt. I Nr. 365 für die mechanische Werkstätte Wilhelm Dengler in Ebhausen eingetragen. Das Wassernutzungsrecht wurde 1981 entschädigungslos aufgehoben, da die Turbine mit Nebenanlagen entfernt wurde und eine Nutzung schon seit ca. 20 Jahren nicht mehr stattfindet. Der bestehende Stauweiher soll aus wasserwirtschaftlichen Gründen erhalten bleiben und darf nicht beseitigt werden. Der Mühlbach-See/Stauweiher ist als Gewässer II. Ordnung vom Träger der Gewässerunterhaltungslast, also von der Gemeinde zu erhalten. Diese Regelung hat zur Folge, dass die Gemeinde das Wasserrecht hat, aber der Grund und Boden heute noch im Besitz der Familie Dengler ist. Hildegard Dengler- Oesterle, die Tochter von Wilhelm Dengler, berichtet, dass ihr Vater bis in die siebziger Jahre regelmäßig den See vom Schlamm befreit hat. Doch als die rechtliche Lage sich änderte, hat er dies eingestellt.

Vom früheren Betrieb zeugt heute (2020) nur noch ein Reklameschild am Werkstattgebäude. Auch das gegenüberliegende Gebäude, in dem die Frau von Wilhelm Karl Dengler, Gisela Dengler geb. Ziefle, ein Haushaltwarengeschäft betrieb, ist inzwischen zum reinen Wohnhaus umgebaut worden.

Der Mühlbachsee jedoch lebt als Kulturdenkmal wieder auf. Die Gemeinde Ebhausen ist mit der Entwicklung des Projekts ab 2019 befasst.

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Quellenangaben
Ortschronik Ebhausen: Prof. Dr. Konrad Dussel, Ebhausen- Geschichte und Gegenwart der Nagoldtal- Gemeinde
FORUM Ebhausen (Hellwig, Eisele), Das Dorf und der Flecken
Maria Noack, Mein Heimatort Ebhausen
Hans Bubser, Niederschriften
Fotos
Archiv FORUM Ebhausen